Springspinnen vergesellschaften – geht das?
Zwei Springspinnen in einem Terrarium, die friedlich nebeneinander sitzen: eine schöne Vorstellung, die in der Praxis fast immer schiefgeht. Springspinnen werden immer einzeln gehalten. Hier liest du, warum das so ist, was bei einer gemeinsamen Haltung wirklich passiert und wie du mehrere Tiere halten kannst, ohne eines zu verlieren.

Warum Springspinnen Einzelgänger sind
Springspinnen sind territoriale Jäger. Sie leben nicht in Gruppen, sie kooperieren nicht und sie teilen kein Revier. Jedes Tier hat einen festen Bereich, in dem es sich auskennt, in dem sein Gespinst hängt und in dem es jagt. Ein zweites Tier in diesem Bereich ist für eine Springspinne keine Gesellschaft, sondern Konkurrenz oder Beute.
Das ist kein Verhalten, das man ihnen abgewöhnen kann, und es hängt auch nicht vom Charakter des einzelnen Tieres ab. Auch eine sehr ruhige, zutrauliche Spinne reagiert auf einen Artgenossen so, wie es ihre Art vorsieht. Deshalb gilt in der Haltung ohne Ausnahme: ein Tier, ein Terrarium.
Was bei gemeinsamer Haltung passiert
In den allermeisten Fällen endet die gemeinsame Unterbringung mit Kannibalismus. Das stärkere oder größere Tier erbeutet das andere, oft schneller, als man denkt. Dass beide Spinnen gut gefüttert sind, ändert daran wenig, denn es geht nicht allein um Hunger, sondern um Revier.
Manchmal geht es tagelang gut, und genau das ist die Falle. Es gibt Tiere, die sich zunächst aus dem Weg gehen und nach einer Woche trotzdem nur noch zu einem geworden sind. Eine gemeinsame Haltung ist deshalb kein Versuch mit offenem Ausgang, sondern eine Entscheidung, bei der am Ende ein Tier fehlt.
Hilft ein größeres Terrarium?
Das ist die häufigste Rückfrage, und die Antwort ist nein. Ein größeres Becken verzögert die Begegnung höchstens, es verhindert sie nicht. Springspinnen nutzen die gesamte Fläche ihres Terrariums, sie klettern, springen und erkunden. Früher oder später treffen zwei Tiere aufeinander.
Dazu kommt ein zweites Problem: In einem großen, dicht eingerichteten Terrarium siehst du nicht mehr, was passiert. Du merkst erst dann, dass etwas schiefgegangen ist, wenn nur noch ein Tier zu finden ist. Größe und Struktur sind gute Argumente für ein schönes Terrarium, aber kein Argument für zwei Bewohner.
Auch Geschwistertiere bleiben nicht zusammen
Frisch geschlüpfte Jungtiere sitzen zunächst noch dicht beieinander. Daraus wird gern geschlossen, dass Geschwister sich vertragen. Das stimmt nur für eine sehr kurze Phase. Sobald die Tiere selbstständig jagen, zeigen sie dasselbe Verhalten wie gegenüber fremden Artgenossen und fressen sich gegenseitig.
Wer eine Nachzucht großzieht, trennt die Jungtiere deshalb früh in einzelne Behälter. Wenn du eine Springspinne kaufst, bekommst du aus genau diesem Grund immer ein einzelnes Tier. Zwei Geschwister für ein gemeinsames Becken zu bestellen, ist keine Ersparnis, sondern nur ein Umweg zu einem Tier.
Die Ausnahme: kontrollierte Paarung
Es gibt genau eine Situation, in der zwei Springspinnen zusammenkommen: die gezielte Verpaarung. Dabei werden ein ausgewachsenes Weibchen und ein ausgewachsenes Männchen kurz zusammengesetzt, unter ständiger Beobachtung, und danach sofort wieder getrennt. Das Geschlecht lässt sich in der Regel ab FH5 bestimmen, vorher ist eine Verpaarung ohnehin kein Thema.
Auch dieser Ablauf ist riskant, vor allem für das Männchen. Er gehört in erfahrene Hände, braucht Vorbereitung, einen Plan für die Nachzucht und die Bereitschaft, sofort einzugreifen. Als Einsteiger musst du dich damit nicht befassen, und aus Neugier sollte niemand eine Verpaarung versuchen.
Wenn zwei Tiere doch zusammengeraten sind
Falls du feststellst, dass zwei Springspinnen in einem Behälter sitzen, trenne sie sofort, aber ohne Hektik. Setze einen durchsichtigen Becher über das eine Tier, schiebe festes Papier darunter und bringe es in ein eigenes Terrarium. Fasse nicht dazwischen und versuche nicht, die Tiere auseinanderzuscheuchen.
Kontrolliere danach beide Tiere in Ruhe. Wirkt eines auffallend träge oder verweigert es über mehrere Tage das Futter, gib ihm einen ruhigen, leicht abgedunkelten Platz und sprühe fein an die Scheibe, damit es trinken kann. Ein Tier, das eine solche Begegnung überstanden hat, braucht vor allem keine weitere Störung.
Was du stattdessen tun kannst
Wenn du mehrere Springspinnen halten möchtest, ist die Lösung einfach: mehrere Terrarien. Jedes Tier bekommt sein eigenes Revier, und du kannst die Becken nebeneinander aufstellen und alle Tiere gemeinsam beobachten. Für den Blick von außen ändert sich dadurch wenig, für die Tiere alles.
Das hat einen Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird: Du siehst viel deutlicher, wie unterschiedlich einzelne Tiere sind. Das eine sitzt gern oben an der Scheibe, das andere baut sein Gespinst in eine Ecke, das dritte kommt bei jeder Fütterung sofort nach vorn. Genau diese Unterschiede gehen in einer gemeinsamen Haltung verloren.
Mehrere Terrarien praktisch aufstellen
Ein Terrarium für Springspinnen ist höher als breit; rund 20 Zentimeter Höhe sind ein guter Richtwert, denn die Tiere nutzen vor allem den Raum nach oben. Acryl ist dabei die bessere Wahl als Glas: leichter, bruchsicher und für ein springendes Tier deutlich weniger gefährlich. Wichtig ist ein sicherer Verschluss an jedem einzelnen Becken.
Mehrere Terrarien lassen sich gut in einem Regal aufreihen, bei Zimmertemperatur zwischen 20 und 26 Grad, ohne Heizmatte und ohne Lampe. Sprühe täglich fein an eine Seitenwand, nie direkt auf das Tier. Der Aufwand pro zusätzlichem Terrarium bleibt klein, weil die Routine für alle gleich ist.
Was ist mit anderen Tieren im Terrarium?
Auch die Idee, einer Springspinne einen andersartigen Mitbewohner zu setzen, geht nicht auf. Ein Terrarium für Phidippus regius wird ohne weitere Tiere eingerichtet: Substrat, eine Wurzel, etwas Moos, ein Stück Kletterholz. Alles, was sich darin zusätzlich bewegt, ist für die Spinne entweder Beute oder Störung.
Das gilt auch für Futtertiere. Gib nur so viel, wie in kurzer Zeit gefressen wird, und entferne Reste wieder. Ein Futtertier, das tagelang im Terrarium unterwegs ist, stört das Tier und kann es während einer Häutung sogar gefährden.
Häufige Fragen
Können zwei Springspinnen in einem großen Terrarium leben? Nein. Die Größe ändert nichts am Revierverhalten, sie verzögert die Begegnung nur.
Vertragen sich Geschwistertiere? Nur in den ersten Tagen nach dem Schlupf. Sobald sie selbstständig jagen, fressen sie sich gegenseitig, deshalb werden Jungtiere früh getrennt.
Wird eine Springspinne allein einsam? Nein. Springspinnen haben kein Bedürfnis nach Gesellschaft. Einzelhaltung ist für sie der Normalzustand und kein Mangel.
Ab wann kann ich das Geschlecht erkennen? In der Regel ab FH5. Vorher lassen sich Männchen und Weibchen kaum sicher unterscheiden.
Ein zweites Zuhause einrichten
Belüftetes Acryl-Terrarium mit sicherem Verschluss – damit jedes Tier sein eigenes Revier bekommt.
Zum TerrariumPlane von Anfang an ein eigenes Terrarium pro Tier ein. Eine gemeinsame Haltung lässt sich nicht nachträglich retten.